Veranstaltung am Sonntag, 25. März 2012

15:00 – 17:00 Uhr


Treffpunkt: St. Ingbert, Alte Schmelz, ehem. Konsum, gegenüber der Möllerhalle


Am kommenden Sonntag, 25. März, können Sie das ehemalige St. Ingberter Eisenwerk unter einem ganz neuen Blickwinkel kennen lernen. Technikgeschichte heißt das Leitthema des Spazierganges, zu dem der VFG – Verein zur Förderung der Geschichtsarbeit im Saar-Lor-Lux Raum e.V. einlädt. Hans-Werner Krick wird in kleinen und unterhaltsamen Geschichten viel Interessantes aus dem Arbeitsalltag der Schmelzer und Maschinisten erzählen, die hier arbeiteten.

Die Eisenherstellung und -verarbeitung begann in St. Ingbert im frühen 18. Jahrhundert; zunächst im ganz kleinen Stil und mit einem Mühlrad als zentralem Antriebsaggregat. Bachwasser lieferte die Energie, die nötig war, um die schweren Hämmer und die großen Blasebälge des Eisenwerkes anzutreiben.

 

Wasserrad, mittelschlächtig

mittelschlächtiges Wasserrad (Quelle Meyers Konversationslexikon 1885 - 1890)

 

Doch nach gut hundert Jahren wurde das Klappern des Mühlrades leiser. Die erste Dampfmaschine fauchte auf der Alten Schmelz und ihre kräftigen Eisenarme brachten neuen Schwung und Antrieb in das aufstrebende Unternehmen.

Dampfmaschine in Funktion

Funktionsschema einer Dampfmaschine (Quelle Wikimedia commons)

 

Doch auch die Tage der stählernen Giganten waren gezählt. Eines Tages kam die Power nicht mehr aus der Dampfleitung sondern aus dem Stromkabel und statt Dampfmaschinen bewegten nun Elektromotoren die große und kleinen Maschinen und vor allem die Hebekräne.

 

Siemens Elektromaschine

Siemens Elektromaschine (Quelle Meyers Konversationslexikon 1885 - 1890)

 

Natürlich hatte dieser technologische Fortschritt auch Auswirkungen auf die Anlage des Eisenwerkes. Welche, das erfahren Sie beim Spaziergang über das Gelände der Alten Schmelz, bei dem Ihnen Hans-Werner Krick viel interessantes und manches anekdotische erzählen wird.


Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

 

Hans-Werner Krick

Neues Leben für einen alten St. Ingberter Park

St. Ingbert verfügt über eine stattliche Anzahl industriekulturell bedeutender Objekte, die zunehmend mehr Beachtung finden und auch teilweise wieder in Wert gesetzt werden. Meist handelt es sich dabei um Technikdenkmale: Rischbachstollen, Werksiedlung Alte Schmelz, Eisenwerk und Möllerhalle. Den Landschaftslelementen wurde bislang noch recht wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Entsprechend gering ist somit auch deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Mit der Wiederentdeckung des ehemaligen Englischen Gartens der Gebrüder Krämer beim Eisenwerk St. Ingbert könnte sich hier ein Wandel abzeichnen ...

Den vollständigen Artikel, erschienen im Saarpfalz-Jahrbuch 2012 können Sie hier als PDF herunterladen. (ca. 3,4 MB)

Als mit Beginn des 20. Jahrhunderts die letzten Nachkommen der Krämer-Dynastie aus der Werksleitung ausschieden, verfiel deren einst prächtiger Landschaftsgarten in einen Dornröschen-Schlaf und verschwand mehr und mehr aus dem Bewusstsein der Menschen.

Es ist gerade einmal 200 Jahre her, da ließ Sophie Krämer, die Besitzerin des St. Ingberter Eisenwerkes eine große Gartenanlage anlegen. Das war für eine wohlhabende Unternehmerin mit entsprechendem Repräsentationsbewusstsein in der damaligen Zeit nicht außergewöhnlich. Doch Sophie Krämers Gartenanlage sollte etwas ganz Besonderes werden. Unter ihren Söhnen Philipp Heinrich und Friedrich Christian wurde der Prunkgarten, der noch viele Elemente der Barockzeit aufwies um einen Englischen Garten erweitert. Das war in der damaligen Zeit eine Sensation, eine Neuheit, die weit über St. Ingbert hinausstrahlte und die besondere gesellschaftliche Stellung der jungen Unternehmer-Dynastie unterstreichen sollte. Mehr als 25 Hektar Fläche wurden von einer Mauer umfasst und nach rein ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet und gepflegt. Gustav Adolf und Oskar I. Krämer, Repräsentanten der dritten  Familiengeneration gestalteten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Gartenanlage nochmals grundlegend um, wobei sie einen Teil der alten Gartenanlage dem Platzbedarf ihres aufstrebenden Eisenwerkes opferten, gleichzeitig den Englischen Garten aber auch als ideales Umfeld für ihre neuen Herrenhäuser entdeckten.



So zeichnete der Landschaftsarchitekt Heinrich Antz 1844 den Englischen Garten

Als mit Beginn des 20. Jahrhunderts die letzten Nachkommen der Krämer-Dynastie aus der Werksleitung ausschieden, verfiel der einst prächtige Landschaftsgarten in einen Dornröschen-Schlaf und verschwand mehr und mehr aus dem Bewusstsein der Menschen.



Zeuge aus alter Zeit? Zahlreiche Baumstümpfe, die sich noch in der Gartenanlage finden, könnten aus der ersten Baumgeneration stammen.Foto: HWK


Viel Zuspruch fand die erste öffentliche Parkführung des VFG. Eine Kopie des  Plans von Antz diente den Gästen als Wegweiser.
Foto: Wolphi.

Gerade im Herbst, wenn sich die Natur auf ihre Ruhephase vorbereitet, vermittelt sie unvergessliche Farb- und Stimmungsbilder, die wieder manches von dem erahnbar und fühlbar werden lassen, was die Gartenarchitekten einst bei ihrer Planung beabsichtigten


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