Ein Spaziergang durch eine fast vergessene Gartenlandschaft mit Rainer Maria Kreten und Hans-Werner Krick

Sonntag, 19. August 2012, 15:00 bis 18:00 Uhr.
Treffpunkt: St. Ingbert, Alte Schmelz 64 (Ehemaliges Konsum, gegenüber der Möllerhalle)
Lange Hosen und feste Schuhe werden empfohlen.

Der Alte Park beim ehemaligen St. Ingberter Eisenwerk ist ein fast vergessener Englischer Landschaftsgarten aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Familie Krämer ließ ihn auf eigene Rechnung anlegen, gleich nachdem sie das Werk von den Reichsgrafen  von der Leyen erworben hatte. Eine solche Parkanlage war seinerzeit eine absolute Sensation, das Non-Plus-Ultra in Sachen Gartenarchitektur. „Die Krämers“ zeigten, dass die „neuen Industriebarone“ mühelos auf Augenhöhe mit dem alten Adel und seinem feudalen Gehabe repräsentieren konnten.

Förster Kreten an einer Lärche im Buchwald bei Nohfelden


Solche Riesen wie die Lärche bei Nohfelden, der wahrscheinlich mächtigste Baum des Saarlandes, findet man im Englischen Garten in St. Ingbert leider nicht mehr. Der Baum hat in Brusthöhe einen Stammdurchmesser von 1,30 Metern und ist rund 50 Meter hoch. Spannend ist seine Herkunft: Der Samen stammt aus der Alpenregion. Vermutlich wurden die Samen Mitte des 18. Jahrhunderts von protestantischen Emigranten aus dem Salzburger Land mitgebracht.
Foto: Bernhard Paul


Doch auch in anderer Hinsicht ist dieser Englische Landschaftsgarten ein Spiegelbild der Moderne. Als die ersten Arbeiten an der Anlage in Angriff genommen wurden, lebten in St. Ingbert sicherlich noch Menschen, die Zeitzeugen des St. Ingberter Waldstreites waren. Bei dieser Auseinandersetzung wurde mit allen juristischen Mitteln, bis hin zum Einsatz militärischer Gewalt, um die Nutzungsrechte am Wald gestritten: um Brennholz, um Bauholz, um das Recht auf Waldweide, um Holzpreise, Einschlagmengen und Verkaufsrechte. Und plötzlich war alles anders. Nicht mehr der in harter Währung errechnete Wirtschaftswert des Waldes zählte, sondern der emotionale Repräsentationswert eines ausschließlich privat und zur persönlichen Erbauung genutzten Landschaftsgartens.

Die heimische Steinkohle bzw. der aus ihr hergestellte Koks hatte die Holzkohle als dominierenden Energieträger der frühen Industrialisierung abgelöst. Die Bedeutung des Waldes schwand - etwas - und unsere Wälder konnten sich von vorangegangenen Ausplünderungen und Übernutzungen erholen oder - wie in diesem Fall - gänzlich neue Nutzungskonzepte erfahren.

Den Waldstreitereien verdanken wir ganz nebenbei einige hochinteressante Zustandsberichte über die St. Ingberter Wälder. Das Herrscherhaus hatte nämlich im 18. Jahrhundert einige Gutachten und Wertschätzungen in Auftrag gegeben. Eine Arbeit, die auch heute noch in regelmäßigen Abständen bundesweit durchgeführt wird, um einen Überblick über Wert, Zustand und Zukunftsperspektiven des deutschen Waldes zu bekommen.

Rainer Maria Kreten wird während des Spazierganges durch den Alten Park interessante Details zum Thema Wald berichten und an einigen ausgewählten Stationen zeigen, wie man den Entwicklungszustand und den Wert eines Waldareals ermitteln kann. Dabei spannt er den Bogen von den Waldtaxationen der frühen Neuzeit bis zur Bundeswaldinventur, die in diesen Tagen flächendeckend durchgeführt wird und lenkt ihr Augenmerk auf die eine und die andere Baumbesonderheit im Englischen Garten.